Preise erhöhen, ohne Gäste zu verlieren
Eine Preiserhöhung ist der unangenehmste Vorgang im Gastronomiejahr, und deshalb wird sie aufgeschoben – oft so lange, dass am Ende nicht drei Prozent nötig sind, sondern zwölf. Genau diese Reihenfolge macht das Problem: Kleine Anpassungen fallen kaum auf, ein Sprung von zwölf Prozent ist ein Gesprächsthema am Tisch. Dieser Beitrag geht die Frage von der praktischen Seite an – wann, wo, wie viel, und was man dazu sagt.

Das Wichtigste in Kürze
- Lieber zweimal jährlich klein anpassen als alle drei Jahre groß.
- Nie flächendeckend prozentual erhöhen – das trifft immer die falschen Positionen.
- Getränke tragen mehr, als man denkt, und werden weniger genau erinnert als das Hauptgericht.
- Ankerpreise stehen lassen: Wiener Schnitzel, Cappuccino, kleines Bier bleiben am längsten unverändert.
- Nicht erklären und nicht entschuldigen. Ein neuer Preis auf einer aktuellen Karte ist einfach der Preis.
Warum spät und viel schlechter ist als früh und wenig
Gäste haben kein Preisgedächtnis für die ganze Karte, sondern für zwei bis fünf Positionen: das, was sie immer bestellen. Bei diesen Positionen merken sie einen Unterschied recht genau. Bei allem anderen ist die Erinnerung erstaunlich unscharf.
Wichtig ist dabei die Sprunggröße, nicht die Summe über die Jahre. Vierzig Cent mehr bei einem Hauptgericht von 18,50 auf 18,90 registriert praktisch niemand als Ereignis. Zwei Euro auf einmal, also 18,50 auf 20,50, kippt in eine andere Wahrnehmung – die Zwanzig ist eine Schwelle, und Schwellen werden bemerkt.
Deshalb: zwei kleinere Anpassungen im Jahr statt einer großen alle drei Jahre. Wer das durchhält, kommt über die Jahre auf dieselbe Gesamtsumme, ohne je ein Gespräch darüber führen zu müssen.
Was Sie vor dem Ändern wissen müssen
Eine pauschale Erhöhung um X Prozent über die ganze Karte ist der verbreitetste und teuerste Fehler, weil sie die Kalkulation, die schon schief ist, proportional weiter verzieht. Vorher brauchen Sie drei Dinge, und alle drei liegen in Ihrem Haus.
- Aktuelle Wareneinsätze pro Gericht – nicht die aus der Kalkulation von vorletztem Jahr. Bei zwei, drei Positionen liegen die Einkaufspreise fast immer weiter auseinander als gedacht.
- Die Verkaufszahlen pro Position aus der Kasse, über ein Quartal.
- Den Deckungsbeitrag in Euro pro Teller, nicht in Prozent. Ein Gericht mit 4 Euro Deckungsbeitrag ist ein Problem, auch wenn die Prozentquote hübsch aussieht.
Wo Sie erhöhen dürfen – und wo nicht
Mit diesen Zahlen wird die Frage konkret. Es gibt Positionen, die Ihre Gäste als Preisanker benutzen, und Positionen, die niemand vergleicht.
Anker sind das lokal übliche Standardgericht (in Österreich meistens das Wiener Schnitzel), der Cappuccino, das kleine Bier und das Glas Hauswein. Diese vier bis fünf Preise kennen Stammgäste. Lassen Sie sie in einer Runde bewusst stehen und holen Sie den Aufschlag woanders. Wenn ein Anker doch dran ist, dann sparsam und nicht über eine runde Schwelle hinweg.
Beweglich sind dagegen: alkoholfreie Getränke und Spezialitätenkaffee, Vorspeisen und Desserts, Beilagen und Extras, die Weinkarte oberhalb des Hausweins sowie Saison- und Tagesgerichte, für die es gar keinen Erinnerungswert gibt. Ein neues Tagesgericht kalkulieren Sie einfach richtig – niemand vergleicht es mit einem Vorjahrespreis.
Der wirksamste und am seltensten genutzte Hebel liegt bei Beilagen und Extras. Ein Aufpreis für die zweite Sauce, den Extrakäse oder den größeren Salat ist ein Deckungsbeitrag mit fast keinem Wareneinsatz und wird als fair empfunden, weil der Gast sich dafür entscheidet.
Der richtige Zeitpunkt
Preise ändern sich am unauffälligsten dann, wenn sich auch die Karte ändert. Ein Saisonwechsel ist der beste Anlass: Neue Karte, neue Gerichte, neue Preise, und das Alte liegt nicht daneben zum Vergleichen.
Der zweitbeste Zeitpunkt ist eine Änderung, die dem Gast etwas gibt. Wenn Sie gleichzeitig ein Gericht aufwerten, die Portion ehrlicher machen oder ein neues Konzept einführen, verschiebt sich die Wahrnehmung vom Preis zur Leistung.
Vermeiden sollten Sie zwei Zeitpunkte: mitten in der Hochsaison, wenn Stammgäste ohnehin schon über Wartezeiten reden, und unmittelbar nach einer öffentlichen Debatte über Gastropreise. Beides lädt Ihre Anpassung mit einem Kontext auf, der nichts mit Ihrem Haus zu tun hat.
Was Sie Gästen dazu sagen
Am besten nichts. Ein Preis auf einer aktuellen Karte ist der Preis. Ein Aushang „Wegen gestiegener Energiekosten mussten wir leider…" richtet zwei Dinge an: Er macht auf die Erhöhung aufmerksam, die viele sonst nicht bemerkt hätten, und er stellt Ihr Haus in eine Verteidigungsposition.
Wenn ein Gast direkt fragt, antwortet man sachlich und kurz: dass die Karte neu kalkuliert wurde und die Einkaufspreise gestiegen sind. Keine Zahlen, keine Rechtfertigung, kein Vergleich mit dem Nachbarlokal. Das Personal sollte diesen Satz einmal gemeinsam gehört haben, bevor die neue Karte auf den Tisch kommt – nicht als Skript, sondern damit niemand improvisieren muss.
Was dagegen offen gesagt werden darf, ist eine Verbesserung: Fleisch von einem regionalen Betrieb, eine größere Portion, ein neuer Koch. Das ist keine Rechtfertigung, das ist eine Information.
Der Grund, warum viele es trotzdem nicht tun
In den Gesprächen, die wir mit Betrieben führen, ist die Hemmschwelle oft nicht die Angst vor der Gästereaktion, sondern der Aufwand: Preise ändern heißt Karte neu setzen, zur Druckerei, warten, bezahlen. Bei 25 laminierten Karten kostet eine Anpassung um vierzig Cent mehr als sie in den ersten Wochen einbringt. Also wartet man, bis „es sich lohnt" – und landet wieder beim Sprung von zwölf Prozent.
Genau diese Kopplung fällt bei einer digitalen Karte weg. Preis im Dashboard ändern, in Sekunden auf jedem Tisch aktuell, kein Nachdruck, keine Rechnung. Das ist der Punkt, an dem eine digitale Karte betriebswirtschaftlich etwas verändert – nicht weil sie moderner aussieht, sondern weil sie die Preisanpassung von einem Projekt zu einer Routine macht. Das mitgelieferte druckfertige PDF zieht sich dabei immer den aktuellen Stand, falls Sie einige Exemplare hinter der Theke liegen haben.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent sind eine vertretbare Erhöhung?
Die Frage führt in die Irre, weil eine gute Anpassung nicht prozentual über die Karte läuft. Sinnvoll ist, jede Position einzeln auf einen Zieldeckungsbeitrag zu bringen. In der Summe landen viele Betriebe dabei bei drei bis sechs Prozent pro Runde, verteilt sehr ungleich.
Soll ich Portionen verkleinern statt Preise zu erhöhen?
Davon würden wir abraten. Eine kleinere Portion zum gleichen Preis fällt Stammgästen deutlich schneller auf als ein höherer Preis und wird als Täuschung empfunden. Eine ehrliche Preisanpassung ist der weniger schädliche Weg.
Wie oft im Jahr kann ich anpassen?
Zweimal ist unauffällig, dreimal grenzwertig. Häufiger merken auch Gelegenheitsgäste die Bewegung. Ausgenommen davon sind Tages- und Saisongerichte, die Sie ohnehin jedes Mal frisch kalkulieren.
Muss ich Preise auf der Karte und auf der Website gleich halten?
Ja, und das ist in der Praxis ein häufiger Stolperstein: Wer auf der eigenen Website oder in einem Portal eine veraltete Karte stehen lässt, produziert Diskussionen am Tisch. Bei einer digitalen Karte gibt es nur eine Quelle, die alle Aushänge und den QR-Code speist.
Was, wenn ein Stammgast sich beschwert?
Zuhören, kurz sachlich antworten, nicht diskutieren und nicht rückgängig machen. Eine Ausnahme für einen einzelnen Gast ist teurer als der Umsatzverlust, den er im schlechtesten Fall bedeutet.
Dieser Beitrag gibt betriebswirtschaftliche Hinweise aus der Praxis und ersetzt keine Steuer- oder Unternehmensberatung. Für die Kalkulation im Einzelfall sind Ihre Steuerberatung und die Wirtschaftskammer die richtigen Ansprechpartner.
Preise ändern in Sekunden
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